ÖZBF-Kongress 14.-16.11.2019

Begabung - Begeisterung - Bildungserfolg

Begeisterung, die leidenschaftliche Beschäftigung mit einem Thema, spielt nicht nur eine wesentliche Rolle für persönliches Glück und Wohlbefinden. Sie ist auch ein zentraler Faktor bei der Umsetzung von Begabung in Leistung. Ist jemand mit Begeisterung bei einer Sache, werden Zeit und Ort schnell vergessen und es tritt im Idealfall der erfüllende Zustand von „Flow“ ein (Csikszentmihalyi, 1990).

Auch in Begabungsmodellen ist Begeisterung bzw. Leidenschaft ein relevanter Faktor.

  • In Renzullis „Operation Houndstooth“ ist als einer der co-kognitiven Faktoren „passion“ genannt, wenn es um „romance with a topic or discipline“ geht (Renzulli, 2002, S. 36).
  • Für Rena Subotnik ist „teaching for falling in love“ am Weg von der Fähigkeit zur Kompetenz von zentraler Bedeutung (Subotnik et al., 2011, S. 34).

Begabung mit Begeisterung zu leben und sich als Person nach eigenen Zielen zu entfalten, ist das Idealbild eines Weges von Begabung zu (Bildungs-)Erfolg. Dieser Prozess ist lang und erstreckt sich über mehrere Lebensjahrzehnte eines Menschen. Grundsteine werden häufig bereits im frühen Kindesalter gelegt, wenn ein junger Mensch zum ersten Mal mit einem für ihn faszinierenden Thema in Berührung kommt und dann erste Ansätze für außergewöhnliches Potenzial in diesem Bereich zeigt. Darauf folgen idealerweise eine intensive Auseinandersetzung mit herausfordernden Fragen und spannenden Aufgaben sowie oftmals erste Erfolge bei schulischen und außerschulischen Aktivitäten in der Domäne, wie bei Präsentationen oder Wettbewerben. Schritt für Schritt wird Expertise aufgebaut, bis im Idealfall ein individuell gestecktes Ziel erreicht wird (Ericsson et al., 2006; Ziegler, 2008; Subotnik et al., 2011). Für den einen mag dies Leistungsexzellenz sein, für die andere eine erfüllende berufliche Position.

Das Ergebnis einer gelungenen Umsetzung von Begabung in Leistung kann also Bildungserfolg sein, der sich in einer erfolgreichen Schullaufbahn und weiterführenden Abschlüssen ausdrückt (Bruneforth et al., 2012); auf persönlicher Ebene kann Bildungserfolg als Erreichen individueller Bildungsziele gesehen werden. Die Wirkungen von Bildungserfolg sind vielfältig und haben ökonomische und soziale Auswirkungen auf individueller sowie kollektiver Ebene (OECD, 2012).

Die Begleitung eines Menschen auf dem Weg von Begabung hin zu Bildungserfolg, der von  Kurven, Anstiegen oder Hürden geprägt sein kann, ist dabei ein wesentlicher Faktor. Verantwortliche in Erziehung und Bildung bieten immer wieder Anlässe, Möglichkeiten und Zeitfenster für die Begeisterung in der Domäne. Eltern, Familie oder Vorgesetzte sowie Arbeitskolleginnen und -kollegen spielen eine wichtige beratende und begleitende Rolle.

Prof. Dr. Hans Anand Pant

Humboldt-Universität zu Berlin // Die Deutsche Schulakademie

Exzellente Schulen für exzellente Leistungen: Schulentwicklung als Motor der Leistungsförderung

Donnerstag, 14.11.2019, 18.3019.30 Uhr | Salzburg Residenz

„Heterogenität ist überall!“ – was dieser Ausruf plakativ zum Ausdruck bringt, ist die Alltagsrealität inzwischen fast aller Lehrpersonen, wenn sie mit den unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen ihrer Schülerschaft konfrontiert sind. Lerngruppen sind im Kontext eines steigenden Anteils von Kindern in Armutslagen, mit Flucht- und Zuwanderungsgeschichte und von inklusiver Schulpraxis zunehmend durch Diversität und Ungleichheit geprägt. Eine durchgängige Differenzierung im Unterricht, die dabei die Lernbedürfnisse potenziell leistungsstarker Kinder und Jugendlicher nicht aus dem Blick verliert, ist sowohl fachlich äußerst anspruchsvoll als auch zeitintensiv. Die einzelne Lehrperson ist von dieser Aufgabe oft überfordert. Um solchen Überforderungsstrukturen entgegen zu wirken, ist eine verstärkte Kommunikation und Kooperation im Kollegium unerlässlich. Darüber hinaus bedarf es umfassender Schulentwicklungsprozesse, die eine kohärente Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung begünstigen, und die gleichzeitig in Schulnetzwerken Ressourcen erschließen, die über die Einzelschule hinausgehen.

Anhand von „Good-Practice“-Beispielen der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises sowie der aktuellen Forschungsliteratur wird zur Diskussion gestellt, welche grundlegenden Weichenstellungen im Bereich der Schulentwicklung, der Lehrkräftekooperation und der Bildung von Netzwerken notwendig erscheinen, um eine stärkere Ausrichtung auf eine leistungsfördernde Schule zu gewährleisten.

Zur Person

Prof. Dr. Miriam Vock

Universität Potsdam

Begeistert lernen, wenn nichts Neues mehr kommt? Das Überspringen einer Klassenstufe als Ausweg aus der Unterforderung

Freitag, 15.11.2019, 09.0010.00 Uhr | Kongresshaus Salzburg

Lernen funktioniert dann am besten, wenn die Anforderungen in einem Bereich liegen, der mit Anstrengung und eventuell mit Hilfestellung gemeistert werden kann. Sind die Anforderungen hingegen zu gering oder wird verlangt, etwas zu üben, das man bereits sicher beherrscht, kann nicht effektiv Neues gelernt werden. Hält diese Situation länger an, so gehen über kurz oder lang das eigene Kompetenzerleben und Motivation und Begeisterung der betroffenen Schülerinnen und Schüler verloren.

Eine solche Unterforderung erleben schnell lernende und besonders begabte Kinder häufig von Beginn ihrer Schulkarriere an. Ein möglicher Ausweg besteht darin, eine Klassenstufe zu überspringen. Zwar ist das Überspringen einer Klassenstufe immer noch eine relativ selten eingesetzte Maßnahme, sie wird aber in den letzten Jahren zunehmend an Schulen genutzt. Der Vortrag beleuchtet Chancen und Risiken des Überspringens und berichtet über aktuelle empirische Forschungsbefunde zu den Auswirkungen des Springens auf die Leistungsentwicklung, Motivation und Begeisterung, und die soziale Integration in der Klasse. Diskutiert wird, unter welchen individuellen und institutionellen Bedingungen das Überspringen einer Klassenstufe sinnvoll sein kann und welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind, um schnell lernenden und besonders begabten Schülerinnen und Schülern Bildungserfolg durch eine gelungene Schullaufbahn zu ermöglichen.

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Aljoscha C. Neubauer

Karl-Franzens-Universität Graz

Eignung oder Neigung: Welche Rolle spielen Begabungen und Interessen für Bildungserfolge?

Freitag, 15.11.2019, 17.0018.00 Uhr | Kongresshaus Salzburg

Zur Person

Prof. Dr. Franzis Preckel

Universität Trier

Begabung und Bildungserfolg − Faktoren gelungener Entwicklung

Samstag, 16.11.2019, 11.0012.00 Uhr | Kongresshaus Salzburg

Zur Person

Vortragende in alphabethischer Reihenfolge

 

Programm ÖZBF-Kongress 2019


Überblick über das vorläufige Kongressprogramm (Änderungen vorbehalten):

Eröffnungsveranstaltung in der Residenz zu Salzburg

Die Eröffnungsveranstaltung findet am 14. November 2019 ab 18 Uhr in der Residenz zu Salzburg (Residenzplatz 1, 5020 Salzburg) statt.

Anreise: https://goo.gl/maps/cBGN1dKkxWq

 

ÖZBF-Kongress im Kongresshaus Salzburg

Am 15. und 16. November 2019 wird der Kongress im Kongresshaus Salzburg (Auerspergstr. 6, 5020 Salzburg) abgehalten.

Anreise: https://goo.gl/maps/QqkE6FZjBdT2