aus.gelesen! Rezensionen und Literaturtipps des ÖZBF

Argumentieren – und wie man es gleich richtig macht. Mit praktischen Übungen und Lösungen

Verfasser
Thomson, Anne


Klett-Cotta, Stuttgart, 2001

Thematik

Kommunikation, Diskussion, Politik, Sozialwissenschaften

Medienart
Buch/Artikel

Umfang
284 Seiten

Alter
11 - 18 Jahre

Verlag
€ 26,95

Erprobung
Ulrike Kempter

Bearbeitung
Ecker, Malte W.

ISBN
3 608 942 2 5

Sprachen
Deutsch

  • Suchkriterien

  •  

  • Sortierung

Das Buch von A. Thomson ist eine Anleitung zum logischen Denken und Argumentieren.

Es ist so aufgebaut, dass es zum Selbststudium geeignet ist: Jedes Kapitel bietet eine ausreichende Anzahl von Beispielen und daran anschließende Übungen (mit einem Lösungsteil). Vom Erkennen der Merkmale einer Begründung oder einer Annahme über das Bewerten von Schlussfolgerungen bis hin zu längeren Argumentationsbeispielen reichen die Darstellungen in diesem Arbeitsbuch.

Daher bietet es sich auch für Leistungskurse in Philosophie, Logik und Kommunikationstraining hervorragend an!

Ulrike Kempter

„Gutes Argumentieren ist eine Kunstfertigkeit, die für jeden wertvoll ist, der die physischen und sozialen Phänomene verstehen und mit ihnen umgehen will“.

Von dieser Erkenntnis ausgehend ist die Autorin auch davon überzeugt, dass Argumentieren eine Fertigkeit ist, die trainiert werden kann. Ihre Absicht besteht nicht darin, Menschen das Argumentieren beizubringen. Das erscheint ihr nicht nötig, denn jeder Mensch kann Schlussfolgerungen aus Fakten, Indizien und Belegen ziehen, nur achten wir meist nicht genügend darauf, ob wir auch gut argumentieren.

Es geht also darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man Argumentationstechniken anwendet und dass man ein breites Spektrum dieser Techniken zur Verfügung hat, wenn man sie braucht.

Jedes der 5 Kapitel konzentriert sich auf einzelne Techniken:

– Die Analyse von Argumentationen

– Die Bewertung von Argumentationen

– Das Erkennen von Implikationen

– Zwei Fähigkeiten zum Gebrauch der Sprache

– Die Anwendung der argumentativen Fertigkeiten

Woran erkennen wir, ob eine Satz/ein Text ein Argument oder eine Begründung enthält? Wie sieht die Struktur von Argumenten aus? Welche Rolle spielen Annahmen? Wie erkenne ich, ob jemand eine nicht ausgesprochene Annahme als Begründung verwendet? Wonach kann ich mich richten, um die Wahrheit von Gründen zu beurteilen? Und wie entdecke ich Defekte in einer Argumentation?

Anhand von Beispielen aus dem Alltag werden solche Fragen Schritt für Schritt erklärt. Eines davon soll die Vorgangsweise des Buches illustrieren:

„Einige Menschen meinen, dass die Darstellung von Gewalt im Fernsehen keine Auswirkungen auf das Zuschauerverhalten hat. Wenn jedoch das, was im Fernsehen gezeigt wird, das Verhalten nicht beeinflussen würde, würde Fernsehwerbung die Zuschauer nicht dazu bringen, bestimmte Produkte zu kaufen. Wir wissen aber, dass sie das tut. Also kann es nicht stimmen, dass Gewalt im Fernsehen das Verhalten nicht beeinflusst.“

Um klar zu machen, worum es geht, wird die Argumentation analysiert:

Fernsehwerbung beeinflusst das Verhalten der Zuschauer.

Also beeinflusst das, was im Fernsehen gezeigt wird, das Verhalten der Zuschauer.

Also muss im Fernsehen gezeigte Gewalt das Verhalten der Zuschauer beeinflussen.

Es wird nun jede der drei Aussagen dahingehend überprüft, ob sie ein hinreichender Grund für die darauffolgende Schlussfolgerung sein kann. Schließlich zeigt sich dadurch der Defekt dieser Argumentation:

Die Tatsache, dass EINIGE im Fernsehen gezeigte Dinge das Verhalten der Zuschauer beeinflussen, ist kein guter Grund für die Annahme, dass im Fernsehen gezeigte Gewalt das Verhalten der Zuschauer beeinflussen muss.

Oder:

Die Tatsache, dass im Fernsehen gezeigte WERBUNG das Verhalten der Zuschauer beeinflusst, ist kein guter Grund zu akzeptieren, dass alles, was im Fernsehen geziegt wird, das Verhalten der Zuschauer beeinflusst.

Wie wichtig eine klare und präzise Sprache ist, wird durch die Übungen im 4. Kapitel deutlich gemacht. Anhand von 10 ausführlichen Argumentationen und Themen für den Aufbau einer eigenen Argumentation kann der Leser die erworbenen Fertigkeiten einer Bewährungsprobe unterziehen.

Das Einüben in das Kritische Denken und die Praktische Logik ist eine wichtige Voraussetzung in vielen Studienrichtungen, wird aber oft aus Zeitmangel an Schulen viel zu wenig beachtet. Dieses Defizit kann das Buch von Anne Thomson von der University of East Anglia wettmachen.

Ulrike Kempter