Drehtürmodell

Unter dem Begriff „Drehtürmodell“ werden pädagogische Maßnahmen verstanden, die Lernenden eine „imaginäre Tür“ an einen anderen Lernort öffnen, um sie später wieder an den ursprünglichen Lernort zurückzuführen. Im Kleinsten kann das bedeuten, dass sich Schüler/innen in ein bestimmtes Thema vertiefen möchten und dafür einen abgegrenzten Ort im Klassenzimmer aufsuchen. Im Größeren kann damit gemeint sein, dass Schüler/innen den Klassenunterricht vorübergehend verlassen, um eine andere Bildungsinstitution zu besuchen.

Die Rahmenbedingungen können in einer Vereinbarung (vgl. Lernverträge sowie Anhänge Vereinbarung Drehtür und Lernvertrag Drehtür) festgehalten werden. Diese legt z.B. zwischen einer Lehrperson und einer Schülerin/einem Schüler fest, zu welchen Zeiten sie/er den Klassenunterricht verlassen darf. Das kann ein klar definiertes Zeitfenster (z.B. jede dritte Stunde oder jeden Montag in der vierten Stunde) oder ein eher offenes Arrangement sein, nach dem man der Schülerin/dem Schüler Phasen für die eigenverantwortliche Arbeit nach gewissen Kriterien ermöglicht. Im Lernvertrag können auch das Thema, die Lernziele, die zu erarbeitenden Produkte und das Einbringen des Erlernten in den Unterricht geregelt sein.

 

Umsetzungsmöglichkeiten:

Drehtürmodell im Klassenzimmer oder in der Lerninsel

Ein/e Schüler/in arbeitet über einen längeren Zeitraum an einem bestimmten Projekt, dessen Rahmenbedingungen im Vorfeld mit der Lehrperson (z.B. anhand eines Lernvertrags) vereinbart worden sind. Je nach Absprache kann die Schülerin/der Schüler den Unterricht verlassen und in einer Lernecke, in der Bibliothek oder einem anderem Raum an ihrem/seinem Projekt arbeiten.

 

Drehtürmodell als Programm einer Schule

Schüler/innen aus einzelnen Klassen arbeiten an einem gemeinsamen Projekt oder an unterschiedlichen Projekten und können dafür den Regelunterricht für bestimmte Zeit verlassen. Betreut, unterstützt und begleitet werden sie von einer Lehrperson an der Schule. Sie hilft den Schülerinnen/Schülern, ihre Interessen zu entdecken, Ziele zu formulieren, ihre Idee in einem Projektplan auszuarbeiten und während der individuellen Arbeitszeiten das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Drehtürmodell an einer außerschulischen Institution

Schüler/innen besuchen Lehrveranstaltungen oder Vorträge an außerschulischen Bildungsinstitutionen wie z.B. Fachhochschulen oder Universitäten. Dabei können sie Interessensgebiete vertiefen und erweitern, welche die Schule nicht anbietet. Sie bekommen auch wertvollen Zugang zu Expertinnen/Experten. Die Mitschüler/innen profitieren ebenfalls von solchen Modellen und Kontakten, wenn neues Wissen und Erkenntnisse in Form von Referaten, Plakaten oder spontanen Blitzlichtberichten in die Schule zurückkommen.

 

Eine institutionalisierte Variante bietet das Programm „Schüler/innen an die Hochschulen“. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern, Lehrveranstaltungen an österreichischen Hochschulen zu absolvieren (vgl. Außerschulische Fördermaßnahmen).

 

Das Drehtürmodell öffnet begabten Lernenden Türen zu neuen Bildungsräumen und ermöglicht ihnen die individuelle Auseinandersetzung mit bestimmten Themenfeldern parallel zum regulären Unterricht.

 

Anhänge:

Vereinbarung Drehtür

Lernvertrag Drehtür

 

Literatur:

  • Wasmann, A. (2016). Das Drehtürmodell im Schulalltag. Ein zentrales Element der Begabungsförderung am konkreten Beispiel des Elsensee-Gymnasiums in Schleswig-Holstein. news&science. Begabtenförderung und Begabungsforschung, 41, 62-66.