Hauptvorträge

Die Hauptvorträge spannen den Bogen von aktuellen Positionen der Begabungs- und Exzellenzförderung über die dafür relevanten Systemebenen und -akteure hin zu einer Fokussierung auf die Systeme Individuum und Schule.

 

  • Roland Grabner (Universität Graz)

  • Margaret Sutherland (University of Glasgow)

  • Michael Bruneforth (Bundesinstitut BIFIE)

  • Christine Pauli (Universität Freiburg)


Prof. Dr. Roland Grabner / Universität Graz
Donnerstag, 20.10.2016, 18.30−19.30 Uhr / Residenz Salzburg

 

 

Systemische Begabungs- und Exzellenzförderung: Schlussfolgerungen aus der Intelligenz-, Expertise- und Lehr-Lern-Forschung


Die Beantwortung der Fragen, wie die individuelle Begabungsentfaltung bestmöglich gefördert sowie die Entwicklung von Leistungsexzellenz unterstützt werden kann, erfordert die Integration von wissenschaftlichen Befunden aus verschiedenen Forschungsdisziplinen. In der Psychologie betrifft dies vor allem die Intelligenz-, Expertise- und Lehr-Lern-Forschung, die teilweise unabhängig voneinander wichtige Erkenntnisse über Interaktionen zwischen individuellen Begabungsunterschieden und Umweltfaktoren zutage gebracht haben. Ziel dieses Vortrags ist es, ausgewählte Befunde aus diesen drei Forschungsfeldern zu beleuchten und im Sinne einer psychologischen Fundierung der systemischen Begabungs- und Exzellenzförderung zusammenzuführen.

Prof. Dr. Margaret Sutherland / University of Glasgow
Freitag, 21.10.2016, 09.30−10.30 Uhr / Salzburg Congress

 

 

Towards 2030: The Role of Gifted Education in Inclusion, Equity and Quality


In 2015 new and ambitious goals were set for the world community.  Among them was Sustainable Development Goal (SDG) 4: Ensure inclusive and equitable quality education and promote lifelong learning for all by 2030. This will pave the way for a transformative and sustainable future for all. But what might this mean for gifted education? This presentation will consider the place of gifted education within the Education for All framework, a global movement led by UNESCO aiming to meet the learning needs of all children, youth and adults. It will consider what inclusive, equitable and quality education might look like for those described as gifted and examine what this might mean for teachers, policy makers and education systems. As we strive to understand how we respond to individual differences we will explore how we do so in a way that has social justice and economic welfare as part of its guiding principles. We see increased environmental degradation and the intensifying impacts of climate change, worsening job prospects for young people, growing migration and urbanisation challenges, and prolonged global economic downturn and violent conflicts in our world. If education is to support the future workforce, foster innovation and generate stable and more prosperous societies then it is with some urgency that we need to consider how gifted education will contribute to ensuring inclusive and equitable quality education and the promotion of lifelong learning for all by 2030.

Michael Bruneforth, MA / Bundesinstitut BIFIE
Freitag, 21.10.2016, 14.00−15.00 Uhr / Salzburg Congress

 

 

Kompetenzorientierung und Standardisierung als Freiräume für Begabungsförderung

 

Der Auftrag der Schule in Österreich ist es, alle Kinder und Jugendliche zur Teilnahme an der Gesellschaft zu befähigen und ihnen ein höchstmögliches Bildungsniveau zu sichern. Neben diesem formellen Auftrag haben auch Erwartungen von Eltern, Jugendlichen und der Gesellschaft als „Kunden“ des Bildungssystems großen Einfluss auf die Gestaltung von Schule.

Konkrete Ziele der schulischen Bildung sind u.a. aus Lehrplänen und Unterrichtsprinzipien sowie aus Schulbüchern und Curricula der Lehrer/innenausbildung ersichtlich. Seit einigen Jahren sind zusätzlich dazu Standards formuliert, in denen die durch die Schule anzustrebenden Fähigkeiten festgelegt sind.

Der Vortrag beleuchtet Bildungsstandards und deren Überprüfung als Element der Beschreibung von Zielen und Erwartungen an Schule. Dargestellt wird die Entstehung der Standards, deren inhaltliche Konkretisierung sowie deren idealer Einfluss auf Unterricht und Unterrichtsqualität.

Mithilfe von Bildungsstandards kann der Bildungsauftrag in grundlegenden Kompetenzen formuliert werden. Fälschlicherweise wird daraus häufig eine Standardisierung des Lehrens und Lernens abgeleitet. Standards können und sollen als Zielklärung interpretiert werden, die der Autonomie der Akteurinnen und Akteure des Schulwesens einen breiten Rahmen gibt und die durch das Setzen von Maßstäben Verantwortlichkeit stärkt. Ein derartiges Verständnis von Autonomie im Lehren und Lernen eröffnet Freiräume, die eine Grundvoraussetzung für kompetenzorientiertes Lernen und Begabungsförderung sind.

Prof. Dr. Christine Pauli / Universität Freiburg
Samstag, 22.10.2016, 11.00−12.00 Uhr / Salzburg Congress

 

 

Chancen bieten und ergreifen: Innovative Konzepte der Begabungsförderung an Schulen mit personalisierten Lernsettings


Schulen haben sich heute mehr denn je auf heterogene Lerngruppen einzustellen. Dabei sind sie verpflichtet, allen Lernenden die optimale Entfaltung ihres Potenzials zu ermöglichen. Das gilt sowohl für die leistungsschwächsten als auch für besonders begabte Schüler/innen. Doch wie können Schulen diesem Anspruch gerecht werden? Traditionelle Schul- und Unterrichtsstrukturen, bei denen alle Schüler/innen fast ständig mit gleicher Methode und gleichem Material im gleichen Tempo das Gleiche lernen, stoßen hier offensichtlich an Grenzen. Viele Schulen haben deshalb in den letzten Jahren innovative Konzepte für maßgeschneidertes – oder „personalisiertes“ – Lernen entwickelt.

Wie funktionieren solche Lernsettings und wie werden sie von den Lernenden genutzt? Wie werden sie dem Anspruch der Begabungsförderung gerecht?

Diesen Fragen geht der Vortrag anhand von Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt „perLen“ („personalisierte Lernkonzepte in heterogenen Lerngruppen“) nach, das seit 2012 rund sechzig solcher Schulen in der Schweiz im Rahmen einer Längsschnittstudie über drei Jahre begleitet und untersucht. Dabei soll auch die Frage diskutiert werden, inwieweit sich Erkenntnisse aus dem perLen-Projekt auf andere Schultypen und Bildungsinstitutionen übertragen lassen.